Politik am Abend: Wohin mit dem Plastikmüll und Elektroschrott?

Peter Kurth, Präsident des BDE, im Café Wahlkreis zu Gast

Wie wirkt sich der Exportstop für Kunststoffabfall nach China auf die deutsche Wirtschaft aus? Welche Wirtschaft steht hinter der Abfallentsorgung? Bietet diese Wirtschaft Lösungen für Probleme des Klimawandels, der Energiewende und der Ressourcensicherung? Über diese und weitere Fragen habe ich gestern Abend mit Peter Kurth, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) und Vize-Präsident der Europäischen Föderation der Entsorgungswirtschaft (FEAD), im Café Wahlkreis, diskutiert.

Thematischer Dreh- und Angelpunkt des Abends war die „Kreiswirtschaft“. Laut Peter Kurth ziele dieses System der Abfallentsorgung und -verwertung darauf ab, ressourcenschonend zu produzieren und zu konsumieren, was gerade für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland wichtig sei. So würden hierzulande rund 90 Prozent des Papier- und Glasmülls recycelt und wiederverwendet, und Deutschland könne seit 2005 mit einer Einsparung von 40 Prozent an CO2-Ausstoß allein durch die Optimierung der Kreislaufwirtschaft aufwarten.

Aber Peter Kurth wies auch darauf hin, dass die Abfallwirtschaft vor großen Herausforderungen stehe. Eine davon sei die Verwertung von Kunststoffen, insbesondere Mischkunststoffen. Weil das technische Recycling von Kunststoffen sehr aufwendig und teuer sei, würden manche Produzenten immer noch auf die Verwendung von Sekundärrohstoffen verzichten. Daher fordere die Entsorgungswirtschaft, einen Anreiz bzw. eine gesetzliche Verpflichtung zur Verwendung von Sekundärrohstoffen zu schaffen, um die Umwelt zu entlasten. Auch eine globale Verantwortung für funktionierende Kreislaufwirtschaften weltweit werde gefordert.

Für alle Bereiche werden Konzepte zur Verwertung entwickelt und umgesetzt. Die Frage, inwieweit Konzepte tatsächlich umsetzbar sind, ist von politischem Interesse: So haben sich Union und SPD im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, im Rahmen der Energieforschung gezielt öffentliche Mittel zur CO2 – Kreislaufwirtschaft bereitzustellen. Anspruchsvolle Recyclingquoten, Wettbewerb und Produktverantwortung sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Und auch auf europäischer Ebene will die Koalition Abfallvermeidung und Recycling stärken, die Einsatzmöglichkeiten für recyceltes Material verbessern und  entsprechende Anreize und mögliche gesetzliche Pflichten prüfen. (Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, 19. Legislaturperiode, S. 73, 139f)

Wie man als Bürger einen Beitrag zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft leisten kann, indem man zum Beispiel die Lebensmittelverschwendung im eigenen Haushalt verringert, wird Thema der nächsten Veranstaltung von Politik am Abend mit Tanja Dräger de Teran, Fachreferentin für nachhaltige Landnutzung, Klimaschutz und Ernährung beim WWF, am 3. Mai 2018, um 19:00 Uhr, im Café Wahlkreis sein. Herzliche Einladung!

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